Westernreiten, was ist das eigentlich?!

Wenn man ans Westernreiten denkt, sieht  man im Kopf Bilder von dem Marlboromann, der rauchend lässig durch dir Prärie reitet, Viehherden, abgewetzte Stiefel, mächtige Sporen und unkontrolliertes Reiten mit scharfen Gebissen. Die reale Welt hat damit sehr  wenig zu tun.

Die Westernreitweise ist aus lebensnotwendigen Umständen im  amerikanischen Westen entstanden. Das Pferd musste unter Umständen sofort  reagieren um das Lasso zu benutzen, Tore zu öffnen und im schlimmsten Fall auch  von der Schusswaffe gebrauch zu machen, es zwar zwingend notwendig, dass das  Pferd einhändig zu reiten war.

Der Westernsattel wurde genutzt um all das, dass für mehrtätige Ritte nötig war unterzubringen. Der Reiter konnte  Lasso, Gewehr, Decken, Lebensmittel unterbringen und trotzdem bequem reiten.  Chaps und Hut waren nur Witterungsschutz und werden heute nur noch auf Turnieren getragen.

In der Ausbildung lernt das Pferd sensibel auf Schenkel, Gewicht und Zügel zu reagieren. Es wird einmal in Selbsthaltung gebracht und soll dort  selbständig verharren, permanentes Treiben und stetiger Kontakt zum Pferdemaul ist nicht erwünscht. Auch Westernpferde werden versammelt geritten, wir  Westernreiter treiben gegen den Zügel und geben sofort wieder nach, wenn das Pferd die gewünschte Reaktion zeigt. Aufgrund dieses gezielten Trainings lernt  das Pferd sich selbst in der gewünschten Haltung zu tragen.

Die  Disziplinen

Die Turnierdisziplinen gehen auf die Aufgaben der täglichen  Rancharbeit zurück, der heutige Leistungsport verlangt aber viel mehr an Präzision, Losgelassenheit und Gymnastizierung.

Halter

In dieser  Disziplin wird das Pferd an einem, meist mit reichlich Silber verziertem, Showhalfter  vorgestellt. Bewertet wird das Pferd, das den rassetypischen Merkmalen entsprechen muss, der Vorsteller wird nicht bewertet und während des Aufstellens ist anfassen und korrigieren erlaubt. Diese Prüfung wird getrennt  nach Alter und Geschlecht ausgeschrieben und gerichtet.

Showmanship at Halter

Auch in dieser Klasse wird das Pferd am Showhalfter  vorgestellt, nur wird diesmal nicht das Pferd sondern der Vorsteller bewertet. Der Vorsteller soll das Pferd, das sich in einem exzellenten Pflegezustand  befinden sollte, korrekt präsentieren. Eine Pattern (Aufgabe) die Rückwärtsrichten, Hinterhandwendungen, promptes Antraben und Anhalten und ruhiges Stehen beinhaltet, sollte so perfekt wie möglich ausgeführt werden. Das Erscheinungsbild wird mitbewertet und sollte daher sauber, gepflegt und freundlich aussehen.

Western Horsemanship

In dieser Prüfung wird ausschließlich die Leistung des Reiters bewertet. In der Beurteilung liegt der Augenmerk auf der Hilfengebung, der Haltung des Reiters und der Ausführung der einzelnen Lektionen. Eine Horsemanshipprüfung besteht aus zwei Teilen:
1. einer Einzelaufgabe, die 80% der Bewertung ausmacht
2. der Railwork, die Arbeit auf dem Hufschlag die abläuft wie eine Pleasure, in der meist nur die besten Reiter der Einzelaufgabe teilnehmen.

Western Pleasure

In dieser Disziplin wird die Manier, Gebäude und die Gangqualität des Pferdes gerichtet, die Grundgangarten sollen bequem zu sitzen sein, aber trotzdem dem Gebäude entsprechen. Die Hilfen des Reiters sollen nicht auffallen und ohne  unerwünschte Reaktion vom Pferd befolgt werden, der Richter gibt die Anweisungen die prompt ausgeführt  werden sollten.


Western Riding

Western  Riding bedeutet die Vorstellung eines sensiblen, sich losgelassen und mühelos bewegenden Pferdes. Das Pferd wird nach Qualität seiner Gangarten und Galoppwechsel, nach seiner Durchlässigkeit, Veranlagung und Intelligenz  bewertet.

Trail

Diese Prüfung erfordert viel Geschick und  Konzentration von Pferd und Reiter. Es gilt Hindernisse, die beispielsweise im  Gelände vorkommen, fehlerfrei und ohne Verzögerungen zu überwinden.

Die  Brücke ist ein Hindernis, die vom Pferd anstandslos betreten werden muss, Stangen auf dem Boden stellen Äste und Baumstümpfe im Wald da, die ohne  verheddern gemeistert werden sollen. Ein Tor sollte so geöffnet, durchritten  und geschlossen werden, dass imaginäre Rinder nicht rauslaufen können. Ebenfalls  gibt es Hindernisse, die seitwärts und rückwärts geritten werden müssen. Ein  gutes Trailpferd reagiert vorsichtig, aber mutig auf die Anforderungen.


Reining

Reining wird oftmals die Dressur der Westernreiter genannt. Das Pferd, dass eine intensive Ausbildung genossen hat, hat in den verschiedenen Pattern (Aufgaben) folgende Leistungen zu erbringen:
1. Sliding Stops - lange rutschende Vollbremsung auf der Hinterhand aus dem Galopp
2. Spins - schnelle 360 grad Drehungen auf dem inneren Hinterbein (Pivot  Fuss)
3. Roll Backs - 180 grad Drehungen auf der Hinterhand

Das Pferd  darf auch bei dem schnellen Ablauf einer Reining niemals heiss werden und sollte  in dieser anspruchsvollen, durchgängig im Galopp gerittenen  Disziplin,  voll  und ganz beim Reiter sein.
Reining ist offiziell als FEI-Disziplin anerkannt  und somit  Bestandteil der Weltreiterspiele.

Cutting

Cutting ist  die  Rinderdisziplinen schlechthin und ist ein beliebter Zuschauermagnet. Hierbei muss ein Rind aus der Herde heraus-"geschnitten" und dann daran gehindert werden, dass es wieder zurückläuft. Dies führt zu spektakulären  Bewegungen des Pferdes.. Hierfür benötigt man ein schnelles, wendiges Pferd, das selbständig arbeitet und die Reaktionen des Rindes vorausahnt. Wichtig ist, dass das Pferd die Arbeit absolut selbständig am durchhängenden Zügel tun muss. Jeder Teilnehmer hat 2 1/2 Minuten Zeit. Innerhalb dieser Zeitspanne darf der Reiter  soviel Rinder arbeiten, wie er will.

Cutting gehört zu den  Top-Disziplinen im Westernreitsport.

Working Cowhorse

Diese  Rinderdisziplin besteht aus 2 Teilen: Zuerst wird eine Reining-Aufgabe ( siehe  oben ) geritten, die sogenannte "Dry Work". Anschließend wird zur "Fence  Work" ein Rind in die Bahn gelassen, das von Pferd und Reiter kontrolliert  werden muss. Der Reiter hat 2 Minuten Zeit, das Rind an der kurzen Seite der  Bahn zu halten, an das Pferd zu gewöhnen und es dann an der langen Seite  mindestens einmal in jede Richtung gegen die Bande zu wenden. Zum Schluß muss der Reiter das Rind in die Mitte der Bahn treiben und es dort zu einer "Acht"  treiben.


Renate Kurzweg Neinhaus