Camarguereitweise

 

Die Ausrüstung

Traditionell geritten werden die Pferde auf der Camarguekandare. Diese gibt es als Stange mit Zungenfreiheit oder als gebrochenes Gebiss. Der Oberbaum darf nicht länger als 75 mm, der Unterbaum nicht länger als 150 mm sein. Die Kandare wird in ein Zaumzeug bestehend aus Kopfstück, Stirnband, Backenstücken, Kinnriemen und gegebenenfalls Nasenriemen eingeschnallt. Die Lederzügel werden am Ende in der sogenannten "fouet/Peitsche" verflochten.

 

Als Sattel dient der Camarguesattel, ein Hohlsattel mit Vorder- und Hinterzwiesel von maximal 15-25 cm Höhe. Der Hinterzwiesel läuft seitlich in eine Oberschenkelstütze aus. Zu diesem Sattel gehört der Schweifriemen mit der Selette, einem kleinen Kissen. Auch das Martingal gehört zur Grundausstattung, es wird in Sattelgurt und Nasenriemen des Zaum-zeugs oder des Caveçon verschnallt, und wirkt somit nur auf den Nasenrücken, nicht jedoch auf das empfindliche Pferdemaul.

 

Die Ausbildung

Camarguepferde werden meist im Alter von drei bis vier Jahren in die Ausbildung genommen, zuerst mit Bodenarbeit, Longearbeit sowie als Handpferd.

Erst dann folgt die Arbeit unter dem Sattel. Hierbei wird das Pferd mit Hilfe des Caveçon (ein Kappzaum, vergleichbar mit der spanischen Serreta, aber feiner) und der Kandare  an die Hilfen gewöhnt, der Reiter benutzt dann 4 Zügel. Die Kandare wird außer zum Anhalten erst einmal nicht genutzt. Ziel der Ausbildung ist es, ein Pferd zu erziehen, das auf leichteste Schenkel- und Gewichtshilfen reagiert. Weiterhin spielt die Gymnastizierung nach klassischen Vorbildern eine große Rolle, denn nur sie führt zur Durchlässigkeit und nur diese wiederum ermöglicht einem später das einhändige Reiten nur mit der Kandare in der Arbeitsreitweise.

 Die Reitweise

Seit Einführung der Stierzucht wird in diesem Stil geritten, mit kleineren Abwandlungen. Der Unterschied zum Westernreiten liegt in der Tatsache, daß in der Arbeit an Kampfstieren mit dem versammelten und nicht dem losgelassenen Pferd geritten wird. Viele Bewegungs-abläufe sind auch in der klassisch-barocken Dressur zu finden. Mittlerweile gibt es in Frankreich sogar ein Buch über die Besonderheiten der Reitweise, geschrieben von Bernard Roche, Pferdezüchter und selber Reitlehrer FFE und Kampfrichter.

 

Da die Stiere der Camargue als Kampfstiere gezüchtet werden, braucht man hier nicht nur ein Pferd das meilenweit Kuhherden vor sich hertreiben kann, sondern auch mutig und wendig genug ist, selbst den aggressivsten Jungstier von der Herde zu trennen. Als Werkzeug wird hierzu von den Gardians der Trident (eine ca. 2,60m lange Stange mit Dreizack an der Spitze) benutzt.

Die Arbeitsreitweise der Gardians "Gardianreitweise"  bildet seit den späten achtziger Jahren in Frankreich einen eigenen Zweig der Reiterei neben Dressur, Springen, Military und Westernreiten, anerkannt durch die FFE, vergleichbar mit unserer FN. Seit März 98 gibt es ein allgemein gültiges Reglement für Gardiantuniere. Dort wird die Vielseitigkeit des Pferdes gefordert: es gibt eine Dressurprüfung (reprise de travail),

 

eine Geländeprüfung (Parcours de pays),

 

sowie einen Trail (maniabilité).

 

 Weiterhin gibt es Prüfungen am Stier (Tri technique, Tri chrono, Coursejado),

 

 

einen Parallelslalom, sowie eine Prüfung, die sich „jeux de la liberté“ nennt, bei der ein Team von drei Reitern ein freilaufendes Pferd durch einen Trailpacours leiten muß – natürlich ohne dieses zu berühren.

 

Französische Meisterschaften finden einmal im Jahr statt, die dort ermittelten Meister stellen meist den Kader für die Europameisterschaft der Arbeitsreitweise, die alle zwei Jahre ausgetragen wird.

In Deutschland finden regelmäßig mindestens zwei Camargueturniere (Nord/Süd) statt, wir sind nur ein Stamm von ca. 30 aktiven Turnierreitern. Es müssen nicht zwingend alle Klassen ausgeschrieben sein, teilnehmen kann man nur mit einem Camarguepferd und in der traditionellen Ausrüstung. Manche Veranstalter öffnen eine "Einsteigerklasse" auch für gekreuzte Camarguepferde oder verwandte Rassen (z.B. Cam-Berber u.ä.) und Leute ohne komplette Ausrüstung.

Bei Turnieren wird folgende Kleidung verlangt: die Gardianhose oder für Frauen wahlweise der Reitrock, ein Hemd in leuchtenden Farben, Hut oder Schirmmütze, Halbstiefel oder Camarguestiefel. Für die Dressurprüfung gehören noch die Krawatte, eine Weste sowie ein schwarzes Jackett aus Samt oder Cordsamt dazu. Diese Kleidung wird auch im täglichen Arbeitsleben getragen, die "feine Version" mit Weste und Jackett wird zu allen Feiertagen getragen. Das Mitführen einer Gerte oder eines Stöckchens ist nur in einzelnen Leistungs-klassen und Wettbewerben erlaubt.

Es gibt übrigens eine Tabelle mit Anstrengungswerten, nach der berechnet wird ob ein Pferd in einem Wettbewerb mehrfach genannt werden darf. Auch wird in den Einsteigerklassen zwischen „jungem“ Reiter und „jungem“ Pferd unterschieden.

 

Wer jetzt Interesse hat noch mehr zu erfahren kann dies unter www.vfzcd.de tun!

Und wenn alles klappt könnt ihr uns nächstes Jahr wieder in Wesel-Obrighoven beim Turnier zuschauen!

 

Chris Franzen

 

Bilder:

JeudeLiberté – Chris Franzen (Foto vom Hoffest bei Jean-Pierre Godest, Horb)
Maniabilité – Chris Franzen (VFZCD Turnier 2004, Deschenhof)
Nachwuchs_Mania – Chris Franzen (Foto vom Hoffest bei Jean-Pierre Godest, Horb)
Parcours de Pay – Nicole Schnyder (VFZCD Turnier 2005, Wesel-Obrighoven)
Reprise de Travail – Nicole Schnyder (VFZCD Turnier 2005, Wesel-Obrighoven)
Sattel – Chris Franzen
TrideBetail2 – Chris Franzen (Mas de la Cure, Hengstkörung 2005)
TrideBetail – Chris Franzen (Montpellier, Europameisterschaft 2003)